von Prof. h.c. Matthias Kunth
In der Pressemitteilung des DITCM vom 12.12.2011 soll zum wiederholten Male mit unsachlichen und schnöden Argumenten die wissenschaftlich anerkannte Wirkung der Akupunktur entkräftet werden. Dabei beruft sich der selbsternannte TCM-Fachmann Lehmann mit „eigenem Institut“ auf zwei Scharlatane (Roger de la Fuye sowie G. Souliè), welche angeblich die Entwicklung der Akupunktur maßgeblich geprägt hätten. Auch die hohe Akzeptanz der Akupunktur und die Festlegung von Standards innerhalb der ärztlichen Akupunkturausbildung scheinen Dr. Lehmann zuwider zu laufen.
Ich beschäftige mich seit mehr als 20 Jahren intensiv, auch auf wissenschaftlicher Ebene, mit der TCM und Akupunktur und habe den größten Teil meiner Ausbildung an unterschiedlichen Hochschulen Chinas (Wuhan, Peking, Shanghai) absolviert. Die Namen Fuye oder Souliè sind mir dabei meiner Erinnerung nach niemals begegnet.
Abgesehen davon ist auch unsere westliche Medizin einer Vielzahl von Scharlatanen aufgesessen und hat in der Vergangenheit unendlich viel an moralischem Misskredit auf sich geladen (z.B. im Dritten Reich), ohne dass wir heute ihre Verdienste und Leistungen nicht einwandfrei anerkennen würden. Im Übrigen wurde in der deutschsprachigen Literatur schon weitaus mehr Blödsinn über die Akupunktur verbreitet. So ist in einer Enzyklopädie aus dem Jahre 1885 über die Akupunktur zu lesen, dass „es heutzutage obsolet sei, die Nadel mit dem Hammer einzutreiben“.
Lehmann unterstellt, dass Begriffe aus der Physiologie der TCM, wie Meridian, Energie oder Tonisierungs- und Sedierungspunkte von den o.g. Schwindlern erfunden wurden. Diese These ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten! Renommierte englischsprachige Grundlagenwerke zur TCM wie z.B. das 600 Seiten umfassende Lehrbuch „Advanced Modern Chinese Acupuncture Therapy“ (New World Press) beschreiben sehr wohl genau diese Termini. Haben hier etwa die chinesischen Autoren von europäischen Schwindlern abgeschrieben?
Herr Lehmann müht sich, jegliche wissenschaftliche Anerkennung der Akupunktur auszublenden. Dabei sollte der Autor als Mediziner doch mit den Grundlagen der Physiologie vertraut sein. Die Akupunktur ist nach heutiger medizinischer Erkenntnis als physikalische Reiz-Reaktions-Therapie zu bezeichnen, deren Effekte zunehmend auch mit wissenschaftlichen Methoden erklärt werden können. In diesem Sinne lehre ich die Akupunktur in meiner Vorlesung an der Universität Regensburg sowie in fachlichen Fortbildungen für Ärzte. So bewirkt die Akupunktur Veränderungen im Muskeltonus, beeinflusst die Ausschüttung lokaler entzündungshemmender Gewebehormone oder steuert den Pegel von Neurotransmittern im Gehirn, um nur einige Beispiele der weltweit zahlreich veröffentlichten Studien zur Wirkung der Akupunktur zu nennen.
Warum verschließt sich ein Fachmann mit eigenem Institut (DITCM) der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage?
Herr Lehmann beklagt weiterhin eine hohe Affinität und Akzeptanz der Patienten in Deutschland zur Akupunktur. Dies spricht aber gerade selbstredend für diese Therapiemethode! In unserer modernen Informationsgesellschaft begegnen wir aufgeklärten, kritischen und mündigen Patienten. Würde sich Herr Lehmann denn gehorsam einer Bandscheibenoperation unterziehen, wenn gute Chancen auf Heilung durch eine Akupunkturtherapie bestünden?
Glücklicherweise werden Standards der ärztlichen Akupunkturanwendung mit der „Zusatzbezeichnung Akupunktur“ durch die Bundesärztekammer festgeschrieben. Herrn Lehmann scheint auch dies zu missfallen. Sollte ihm entgangen zu sein, dass im Vorfeld einer solchen Beschlussfassung intensive Beratungen unabhängiger akademischer Gremien stattfinden? Andernfalls dürfte sich Dr. Lehmann nicht in einer derart hämischen Weise dazu äußern.
Fazit: Mit den Einlassungen des Hr. Dr. Lehmann zur Akupunktur erleben wir einen offensichtlichen Lobbyismus – polemisierend und unsachlich! Schade, dass sich das Institut des Hr. Lehmann auf einem derart niedrigen Niveau bewegen muss.
Verfasser:
Prof. h.c. Matthias Kunth / Fudan Universität Shanghai
Akupunktur, Umweltmedizin (ÖÄK), Therapie nach F. X. Mayr
Adolf-Rebl-Str. 38-40
85276 Pfaffenhofen/Ilm
E-Mail: mkunth@aol.com
Dozent der DAA e.V. und der Europäischen Akademie für TCM
Vizepräsident und Dozent des Vereins „Traditionelle Chinesische Akupunkturpraxis e.V.“
Weiterbildungsermächtigung Akupunktur (BLÄK)
Kontakt:
Deutsche Akademie für Akupunktur | DAA e.V.
Osserstraße 40
81679 München
Tel.: 089 – 814 52 52
Fax: 089 – 8 2000 929
E-Mail: kontakt@akupunktur.de
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